Et tout ceci
est vrai!

Et tout ceci est vrai, Fotocollage von Jean Tinguely, Postkarte 1956 Reprografie: Hans Hammarskiöld

Auf den Spuren Tinguelys zwischen Paris, Amsterdam und Basel

Ausstellung an Bord der MS Evolutie, 17. Juli bis 26. September 2021

Mit seinen kinetischen Werken stellte der Schweizer Künstler Jean Tinguely (1925-1991) die Bewegung ins Zentrum seines Schaffens und Lebens. So beginnt sein Manifest Für Statik, das er der Legende nach 1959 als Flugblatt über Düsseldorf abwarf, mit den Worten: «Es bewegt sich alles, Stillstand gibt es nicht». Unter diesem Motto und im Rahmen der Feierlichkeiten 25 Years of Moving Art realisiert das Museum Tinguely die Ausstellung « Et tout ceci est vrai ! » an Bord des umgebauten Frachtschiffes MS Evolutie. Sie nimmt inhaltlich Bezug auf die Stationen der Jubiläums-Schiffsreise Museum Tinguely AHOY! und präsentiert den Schiffsbesucher*innen Jean Tinguely und seine Kunst anhand von Fotografien, Schriften, Audiostationen, Filmen und Modellen auf ca. 100 m2 im Rumpf des Schiffes. So ergibt sich eine Art Zeitreise in Tinguelys künstlerische Entwicklung von den ersten Galerieausstellungen in Paris in den späten 1950er Jahren, über die erste monografische Museumsschau im Haus Lange in Krefeld 1960 bis hin zu den grossen Retrospektiven, wie z.B. im Wilhelm Lehmbruck Museum in Duisburg 1978. Um das unmittelbare, sinnliche Erleben seiner Werke auch auf Reisen zu ermöglichen, hat das Museum Modelle - inspiriert von Tinguelys originalen kinetischen Werken - erstellt. Per Knopfdruck kann das Publikum es klimpern, quietschen und scheppern lassen oder schaukelnd Videos; Audiostücke und Projektionen verfolgen.

Interaktives Ausstellungserlebnis

Zu erleben in der Ausstellung ist u.a. ein partielles Modell der überlebensgrossen Zeichenmaschine Méta-Matic No. 17, die Tinguely auf der ersten Biennale de Paris 1959 präsentierte. Anhand der mit einem Benzinmotor betriebenen Zeichenmaschine stellte Tinguely das tradierte Verhältnis von Urheber, Werk und Rezipient vor grossem Publikum auf den Kopf. Wie beim Original bläst das Modell in der Ausstellung unaufhörlich einen Ballon auf, bis dieser mit einem lauten Knall platzt.

Die Klangskulptur Mes étoiles – Concert pour sept peintures (1957-59) besteht aus sieben Reliefs mit verschiedenen Fundstücken aus Glas, Blech oder Alu. In Anlehnung an das Original können die Schiffsbesucher*innen über eine Konsole gleichartige Arrangements zum Klingen bringen und sich als Komponist*in eigener kakophoner Melodien ausprobieren.

1960 manifestierte sich Tinguelys künstlerischer Erfolg in einer ersten musealen Einzelausstellung im Haus Lange in Krefeld, die u.a. die Frage nach der seriellen Produktion von Kunstwerken stellte. Im Katalog zur Ausstellung wendete sich Tinguely direkt an das Publikum, indem er eine Bauanleitung für das Relief Maschinenbild Haus Lange mitlieferte und dazu aufforderte, selbst ein Tinguely Werk nachzubauen. Auf der MS Evolutie ist ein nach dieser Bauanleitung erstelltes Relief der Edition Maschinenbild Haus Lange zu sehen. Die Arbeit – wie auch die anderen beiden interaktiven Stationen zu Tinguelys Kunst – wurden von dem Restaurator des Museum Tinguelys Jean-Marc Gaillard angefertigt, einer der letzten Assistenten der mit Tinguely zusammen gearbeitet hat.
 

Installationsansicht in der Ausstellung «Et tout ceci est vrai!» © 2021 Museum Tinguely, Basel; Foto: Matthias Willi

Installationsansicht in der Ausstellung «Et tout ceci est vrai!» © 2021 Museum Tinguely, Basel; Foto: Matthias Willi

Installationsansicht in der Ausstellung «Et tout ceci est vrai!» © 2021 Museum Tinguely, Basel; Foto: Matthias Willi

Installationsansicht in der Ausstellung «Et tout ceci est vrai!» © 2021 Museum Tinguely, Basel; Foto: Matthias Willi

Installationsansicht in der Ausstellung «Et tout ceci est vrai!» © 2021 Museum Tinguely, Basel; Foto: Matthias Willi

Installationsansicht in der Ausstellung «Et tout ceci est vrai!» © 2021 Museum Tinguely, Basel; Foto: Matthias Willi

Installationsansichten in der Ausstellung «Et tout ceci est vrai!» © 2021 Museum Tinguely, Basel; Foto: Matthias Willi

Kurator der Ausstellung: Giorgio Bloch

Die Ausstellung ist an allen Stationen der Reise jeweils von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, Online-Tickets können 2 Wochen für die jeweilige Station im Voraus auf der Website www.mtahoy.com gebucht werden.

Im Anschluss an die Schiffsreise wird die Ausstellung vom 20. Oktober 2021 bis zum 23. Januar 2022 in erweiterter Form im Museum Tinguely in Basel zu sehen sein.