Robert Breer

 26. Oktober 2011 – 29. Januar 2012

Die Einzelausstellung über den amerikanischen Maler, Filmemacher und Bildhauer Robert Breer ist die bislang umfassendste Retrospektive zu seinem Werk. In enger Zusammenarbeit mit dem Künstler wird erstmals eine Gesamtschau seiner seit 1950 in verschiedenen Techniken entstandenen Werke ausgestellt. Dabei zeigt sich, dass Robert Breer heute genauso aktuell ist, wie er es in den 1950er Jahren war. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in deutscher und englischer Sprache. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem BALTIC Centre for Contemporary Art in Gateshead (UK).

Der 1926 in Detroit geborene und im August 2011 gestorbene Breer ist einer der bahnbrechenden und meistgefeierten Experimentalfilmer in der Geschichte. Die nun präsentierte Ausstellung ist die umfassendste Retrospektive, die Arbeiten Breers von 1950 bis heute zeigt.
Der Sohn eines 3D-Amateurfilmers und leitenden Ingenieurs bei der Chrysler Corporation studierte zunächst Ingenieurwissenschaften in Stanford, bevor er dann zur Malerei überwechselte. In jungen Jahren begeisterte er sich für einen Rennwagen von BMW mit offenem Verdeck aus dem Jahr 1935 sowie für Kunstflugstunden in einem Doppeldecker. Seine erste wirkliche Leidenschaft jedoch war die reduzierte Reinheit von Piet Mondrians abstrakten Gemälden mit ihrer Gitternetzstruktur.
Robert Breer, Ohne Titel, 1949-1950 Öl auf Leinwand © Robert Breer, courtesy gb agency, Paris Foto: Colin Davison, BALTIC Centre of Contemporary Art
Robert Breer, Ohne Titel, Daumenkino (flip book), 1960 © Robert Breer, courtesy gb agency, Paris Foto: Marc Domage
 Nach seiner Übersiedlung nach Paris im Jahr 1949 entwickelte Breer seine eigene Interpretation der hard edge-abstraction und stellte seine Werke in der Galerie Denise René aus. Er sagte sich schon bald von der Ausgeglichenheit und Harmonie von Mondrians Kompositionen los und führte implizierte Bewegung sowie frei schwebende Linien in seine Gemälde ein. Er schuf so ungleichmässige Formen, die gegeneinander ankämpften und sich in einem permanenten Zustand der Ruhelosigkeit präsentierten.
Vierzehn Gemälde aus den 1950er Jahren, darunter Composition with Three Lines (1950), Time Out (1953) und Three Stages Elevators (1955), sind in der Ausstellung zu sehen. Viele von ihnen wurden seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr in einer Ausstellung gezeigt.
Parallel zur Entwicklung implizierter Bewegung in seinen Gemälden begann Breer auch, mit Animationskunst zu experimentieren, zunächst in Form von Flip Books (einer Art Daumenkino) und dann im Medium Film. In seinem ersten Film Form Phases (1952) wurden die Entwürfe seiner Gemälde in Bewegung umgesetzt, wobei sie sich von einem Gegenstand in einen anderen verwandeln und sich in Farbe und filmischem Raum verändern. In Form Phases IV (1954) bewirkt eine tour de force von Bewegung und Instabilität, dass auf jedem Quadratzentimeter des Bildschirms Formen, Farben, Linien und Bewegungen aufbrechen, sich gegenseitig ergänzen und widersprechen.
Eine Spannung zwischen dem bewegten und dem unbewegten Bild bestimmt viele dieser frühen Werke: Recreation I (1956–57) verwendet für jedes Einzelbild (bei 24 Einzelbildern pro Sekunde) eine andere Darstellung, verwirft dabei die vermeintliche Realität, welche der herkömmliche Film präsentiert, und offenbart Bewegung als blosse Wiederholung statischer Filmzellen. Mit fortschreitender Karriere beschäftigte sich Breer immer stärker mit der Wechselwirkung von Abstraktion und Darstellung. Fuji (1974) wechselt von den Filmaufnahmen von Breers Ehefrau durch ein Zugfenster hindurch zu einer rotoskopierten Sequenz eines Fahrkartenschaffners und unzähliger, in die Länge gezogener Darstellungen des Mount Fuji, die alle in die Abstraktion abgleiten und wieder aus dieser heraustreten. In Swiss Army Knife with Rats and Pigeons (1980) lösen sich die funktionale Form des Messers und dessen rote Farbe voneinander und tanzen umeinander herum, bevor sie sich dann wieder vereinen. In der Ausstellung werden diese und andere bahnbrechende Arbeiten aus der Zeit von 1952 bis in die 1990er Jahre hinein gezeigt.
Robert Breer, Filmzeichnung für den Film Fuji, 1974 © Robert Breer, courtesy gb agency, Paris
Robert Breer, Float, 1970/2004 © Robert Breer, courtesy gb agency, Paris
 Ein weiterer wichtiger Teil von Breers Werk sind die bewegten Skulpturen oder auch »Floats«, die ab Mitte der Sechziger Jahre entstanden. Diese einfachen, fast minimalistischen Formen bewegen sich mit einer kaum wahrnehmbaren Geschwindigkeit und nehmen beim Auftreffen auf ein Hindernis einen Richtungswechsel vor. Durch die dreidimensionale Wiederbelebung der Bewegung und des Flusses seiner Filme umgeben Werke wie Zig (1965), Column (1967) und Sponge (2000) den Betrachter und lassen diesen Form und Wandel in Echtzeit und im realen Raum erleben. Breers grösste Errungenschaft war vielleicht, eine Kraft anzuwenden, um deren Gegenteil zu definieren – Bewegung, um Bewegung entgegenzuwirken, eine Pause, um Geschwindigkeit zu steigern, und Darstellung, um auf die Abstraktion zu konzentrieren.
Die Ausstellung, die in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler entstanden ist, zeigt erstmals eine Gesamtschau von Breers über mehrere Jahrzehnte in allen Techniken entstandenen Werke. Ein umfangreicher Katalog begleitet die Ausstellung.
 Im BALTIC Centre for Contemporary Art war die Ausstellung von Juni bis September 2011 zu sehen. Robert Breer war zur Eröffnung dieser Ausstellung in Gateshead und erkrankte nach der Heimkehr nach Tucson, Arizona, wo er in den letzten Jahren mit seiner Frau Kate lebte. Im August 2011 starb der Künstler während der Vorbereitung der Ausstellung in Basel. „I feel very lucky“ war im Juni sein Kommentar zu Ausstellung und Katalog, die nun auch zu Erinnerungen an einen wunderbaren Künstler und Menschen werden.

Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem BALTIC Centre for Contemporary Art, Gateshead (GB)
Robert Breer 2011 im BALTIC Centre for Contemporary Art, Gateshead (GB), Photo: Lewis Arnold