(c) photo: Ad Petersen, Amsterdam

(c) photo: Ad Petersen, Amsterdam

Les mille lieux de l'art. Fotografien von Ad Petersen

27. Februar – 26. Mai 2013

 

Das Museum Tinguely zeigt eine Auswahl der aussergewöhnlichen Künstler-Fotografien von Ad Petersen. 1931 im niederländischen Zaandam geboren, organisierte er von 1960 bis 1990 als Konservator am Stedelijk Museum Amsterdam zahlreiche Ausstellungen. Faszination und Leidenschaft für Kunst und Künstler sind für Petersen Antrieb als Museumsmann und autodidaktischer Fotograf. Mit seiner Kamera porträtierte und dokumentierte er während seiner 30-jährigen Tätigkeit am Museum die Arbeit berühmter Künstler der Generation Tinguelys, darunter Joseph Beuys, John Cage, Christo und Jeanne-Claude, Lucio Fontana, Niki de Saint Phalle, Edward Kienholz, Claes Oldenburg, Markus Raetz, Robert Rauschenberg, Martial Raysse, Jesús Rafael Soto, Daniel Spoerri, Roland Topor und viele andere mehr. Zeichnungen, Briefe und Dokumente, die von einer oft lebenslangen, freundschaftlichen Verbundenheit von Ad Petersen zu den Künstlern zeugen, ergänzen die Ausstellung.


Petersens Schwarz-Weiss Fotografien, die er in den frühen Jahren mit einer Rolleicord und später mit handlicheren Kleinbildkameras, einer Pentax und einer Leica mit einem lichtstarken 35-mm-Objektiv realisiert hat, nehmen den Betrachter mit zu "Tausend Orten der Kunst". Dabei sind die "mille lieux de l'art" auch ein akustisches Wortspiel mit dem Ausstellungstitel, welches das spezielle "milieu" und die Atmosphäre der Kunstszene der 1960er und 1970er Jahre evoziert. Die Aufnahmen von Petersen sind "Milieustudien" einer Zeit des revolutionären Aufbruchs, in der grenzüberschreitend und im engen Austausch zwischen den Künstlern in den USA und Europa eine Vielfalt neuer Kunstformen entstanden, die unter direkter Einbeziehung des Publikums, etwa in Form von Happenings, Aktionen und Performances auch ausserhalb der Museumsmauern präsentiert wurden. Ad Petersen befand sich "mittendrin" und nahm begeistert teil am damaligen internationalen Kunstgeschehen, das auf einem engen Networking und einer regen Zusammenarbeit der damals tonangebenden europäischen Museen und Kunsthallen basierte.

 

Er begann seine Tätigkeit als Kunsthistoriker 1960, in den letzten Amtsjahren von Willem J. H. B. Sandberg (1897–1984), der das Amsterdamer Stedelijk Museum als begnadeter Selfmade-Grafiker und Museumsdirektor in Zusammenarbeit mit seinen Mitarbeitern zu einer der innovativsten und aktivsten europäischen Institutionen für Gegenwartskunst entwickelt hatte. Im Rahmen seiner langjährigen Arbeit am Museum lernte Ad Petersen zahlreiche Künstler kennen. Er besuchte sie in ihren Ateliers, konzipierte mit ihnen Ausstellungen sowie Publikationen und traf sie auch privat. Im Verlauf der Jahre entstanden so Hunderte von Fotografien: feinfühlige Porträts der Künstler und ihres privaten Umfelds, Bilder ihrer Werke und Aktionen sowie faszinierende Aufnahmen, die die Künstler bei der Arbeit im Museum oder in ihren Ateliers zeigen.  Als Fotograf versuchte Petersen so unauffällig wie möglich vorzugehen, so dass die Porträtierten gar nicht bemerkten, dass sie fotografiert wurden. Es entstanden ausserordentliche Bildserien, in denen es ihm gelang, mit seiner Kamera den perfekten Moment einzufangen, in dem die Künstler ganz in ihr Schaffen vertieft sind. Mit seiner Kamera dokumentierte er viele wichtige Kunstereignisse der 1970er Jahre, neben Aktionen von Gilbert & George, John Cage oder Richard Serra im Stedelijk Museum in Amsterdam, auch das Festival der Nouveaux Réalistes in Mailand im November 1970 oder die im gleichen Jahr von Harald Szeemann organisierte Schau "Happening & Fluxus" im Kölnischen Kunstverein. Viele der Künstler gaben Petersen klar zu verstehen, dass er einer von ihnen sei. Sie luden ihn zu sich nach Hause ein, zu ihren Aktionen und ausgelassenen Festen und widmeten ihm als Dank sehr persönliche Arbeiten.

 

Die Aufnahmen von Petersen sind nicht nur wichtige Zeitzeugnisse, sondern sie vermögen auch Jahrzehnte später, dem Betrachter das Charismatische der verschiedenen Künstlerpersönlichkeiten zu vermitteln. Dies gilt vor allem für die Porträts, in denen eine deutliche Sympathie und Vertrautheit zwischen Künstler und Fotograf zu spüren ist. Die Fotografien von Ad Petersen zeugen von einer kreativanarchischen Energie und Lebenslust und lassen einen oft spontan an John Irvings Ausspruch "Life is serious, but art is fun!" denken.