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Jean Tinguely - Eva Aeppli


Komm mit mir auf die Schaukel Luise

1991

Material/Technik: Eisen, Elektromotor, sechs Stoffmasken von Eva Aeppli
Masse (HxBxT): 190 x 140 x 100 cm
Inventarnummer: 11385
Werkverzeichnis: Bischofberger 0969
Creditline: Museum Tinguely, Basel, Donation Niki de Saint Phalle

1991 findet von März bis Mai in der Basler Galerie Littmann die Ausstellung «Eva Aeppli und Jean Tinguely: Collaboration» statt. Die zwei Künstler, die sich seit etwa 50 Jahren kennen, die etwa 40 Jahre früher Eltern der Tochter Myriam geworden sind, die 1951 geheiratet und 1953 gemeinsam nach Paris gegangen sind, Eva und Jean haben hier erstmals zu einer Zusammenarbeit auf künstlerischem Gebiet zusammengefunden und für die Ausstellung in der Galerie Littmann etwa 11 sich bewegende Skulpturen geschaffen sowie einiges «Fasnachtszügs», wie Eva Aeppli die «Kerzenständer» betitelt. Der Philosoph Hans Saner schrieb im Katalog der Ausstellung: Als ich von Klaus Littmann hörte, dass Eva Aeppli und Jean Tinguely sich zu einer «Collaboration» entschlossen hätten, dachte ich als erstes: «Da wollen zwei das Unmögliche möglich machen – oder ein Galerist ist ein wenig verrückt geworden.» Unmöglich schien mir das Projekt zu sein, weil ich mir antipodischere Werke gar nicht vorstellen konnte. Ich musste an die erstickten Schreie der frühen Bilder von Eva Aeppli denken, an diese Visionen des peinigenden Schreckens zutode gemarterter Kreaturen, an die maskenhaften Köpfe der weichen Figuren, die, ein Kabinett der Abgeschiedenen, leer und teilnahmslos in die Unendlichkeit blicken, schliesslich an die «ewigen» Gesichter der Planeten, der Tierkreise und der Erinnyen, deren vernähte Sensibilität nicht einen Anflug von Ironie duldet. … Daneben wirkt Tinguelys Werk wie ein Vulkan, anarchisch in der Vielfalt und Fülle, verschwenderisch und grenzenlos im Umgang mir den Materialien, dadaistisch verspielt, voller Ironie, menschenfreundlich noch im Makabren, als ob der Tod und das Elend der Welt ohnehin nur Absurditäten wären. Bewegung, Lärm, Licht, Farbe, Geruch und Gestank, Stofflichkeit jeglicher Art und wieder Bewegung – und dahinter die Regie eines Zauberers, der dem Schrott des Planeten, also den toten, weil dysfunktional gewordenen Dingen neu – nein: zum ersten Mal ein Leben und eine Seele gibt und so ein Universum des Paradoxen schafft: ein funktionales Reich des Dysfunktionalen, aber dennoch notwendigen. – Sind das nicht radikal unterschiedliche, ja unvereinbare Werkwelten? Und muss man nicht ein wenig verrückt sein, um sie in einem Projekt versöhnen zu wollen? Kurz nach dem Ende der Ausstellung stirbt Jean Tinguely, die erste Zusammenarbeit mit Eva Aeppli bleibt die Einzige.