Wir nutzen Cookies (von Drittanbietern) zu Funktions-, Analyse- und Werbezwecken. Hier können AGB und Cookie-Richtlinien eingesehen werden.

 

<< | >>

Jean Tinguely


Le «Rideau» de la Folie

Eloge de la folie
1966

Material/Technik: Schwarzer Filzstift
Masse (HxBxT): 28 x 38,5 cm
Inventarnummer: 3802
Creditline: Museum Tinguely, Basel

Im Frühjahr 1966 wird Jean Tinguely zusammen mit Niki de Saint Phalle und Martial Raysse von Roland Petit aufgefordert, das Bühnenbild für ein neues Ballett, «L’Eloge de la folie», im Théâtre des Champs Elysées in Paris zu gestalten. Niki de Saint Phalle und Martial Rasse entwerfen Teile der Bühnendekoration, während Tinguely ein flaches Räderwerk erfindet, das die Funktion eines Vorhangs besitzt. In der Art seiner frühen «Reliefs méta-mécaniques» mit den feinen Drahträdern und farbigen Blechteilen, die mit dem Drehrhythmus der Räder zu tanzen beginnen, drehen sich nun grosse, flache, aus Holzplatten ausgeschnittene und schwarzgestrichene Räder vor einem weissen, von hinten beleuchteten Vorhang und treiben ihr Spiel. Ein Tänzer auf einem veloähnlichen Gestell mit Pedalen bringt die ganze Konstruktion über Transmissionsriemen in Bewegung und Bälle ins Rollen. Tinguely greift hier auf alte Themen und Motive zurück, findet aber in der genialen Bühnenpräsentation eine neue Ausdrucksform. Die Lichtführung von hinten evoziert den Eindruck eines Schattenspiels und erzeugt das Gefühl von Schwerelosigkeit. Der Künstler beschäftigt sich offenbar schon etwas früher mit der Schattenwirkung seiner Skulpturen, wie er in einem Brief an Pontus Hulten erklärt: «Je vais faire fonctionner les ombres des machines aussi alors avec 3-4 projecteurs de cinema.» Es erstaunt nicht, dass Tinguely diese Erfahrung weiterzuentwickeln sucht. Heute übernimmt ein Elektromotor den Antrieb, der Tänzer wurde von Tinguely selbst durch die Silhouette eines Menschen ersetzt.