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Jean Tinguely


Machine à dessiner No. 3

Relief Méta-mécanique
1955

Material/Technik: Schwarz bemalte Holztafel, drehbare Metallscheibe, Draht. Rückseite: 3 Holzräder, Gummiriemen, 2 Elektromotoren
Masse (HxBxT): 54,5 x 106 x 33 cm
Inventarnummer: 11108
Werkverzeichnis: Bischofberger 0053
Creditline: Museum Tinguely, Basel

1955 entstehen drei «Machines à dessiner», in denen Tinguely erstmals versucht, mechanisch Zeichnungen produzieren zu lassen. Erstmals präsentiert Tinguely seine Zeichenapparate im April 1955 in der Galerie Denise René in Paris in der Ausstellung «Le Mouvement», einer Bilanz der beweglichen Kunst dieser Zeit. Es werden Werke verschiedener Künstler und Generationen gezeigt: Die «Väter» sind durch Werke von Marcel Duchamp und Alexander Calder vertreten, wohingegen Victor Vasarély die Generation der «Älteren» vertritt. Yaacov Agam, Pol Bury, Robert Jacobsen, Jesús Rafael Soto und Jean Tinguely sind die «jungen» Künstler. In dieser Ausstellung zeigt Tinguely unter anderem zwei seiner «Machines à dessiner», die Pontus Hulten in der Retrospektive als «les œuvres les plus remarquables, mais moins remarqués de l’exposition», also als die bemerkenswertesten Kunstwerke der Ausstellung bezeichnet. Ähnlich wie in der vier Jahre später entstandenen «Méta-matics», handelt es sich bei den «Machines à dessiner» um Apparate, die nicht nur Kunstwerke sind, sondern gleichzeitig auch Kunstwerke produzieren, Zeichnungen nämlich, die der maschinenbetriebene Arm mit einem Stift auf das auf einer rotierenden Scheibe eingespannte Blatt wirft. Das Bemerkenswerte ist, dass der Betrachter die «Robots créant dessins et musique concrète» bedient und damit die entscheidenden Parameter für die entstehende Zeichnung vorgibt. Der Betrachter übernimmt sozusagen zusammen mit dem Erschaffer der Maschine – Jean Tinguely – und der Maschine selbst als physisch ausführendem Organ die Rolle des Mit-Gestalters und Mit-Künstlers und wird zum Mitbeteiligten bei einem kreativen Akt und bei der Entstehung einer (abstrakten) Zeichnung. Den ehedem passiven Rezipienten retinaler Reize aktiv miteinzubeziehen, lautet das Credo, das Tinguely in die Runde seiner kinetischen Kollegen geworfen hat.