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Jean Tinguely


Grosse Méta-Maxi-Maxi-Utopia

Méta-Harmonie
1987

Material/Technik: Eisenschrott, Holzräder, Alutreppen, Vorhang, Karussellpferd, Tonvase von Ursi Luginbühl, Plastikblumen, Gartenzwerg, Elektromotoren
Masse (HxBxT): 730 x 1700 x 700 cm
Inventarnummer: 11306
Werkverzeichnis: Bischofberger 0768
Creditline: Museum Tinguely, Basel, Donation Niki de Saint Phalle

Die bevorstehende Retrospektive im Sommer 1987 in Venedig inspiriert Tinguely zu einer begehbaren «Méta-Harmonie». Er erklärt in einem Interview der TV Suisse Romande: «Etwas Lustiges will ich schaffen, etwas für die Kinder, die klettern und hüpfen. Ich möchte, dass es gut herauskommt, eindrucksvoll, fröhlich, verrückt und wie auf einem Jahrmarkt. […] Eingänge soll es geben, zahllose Eingänge, Ausgänge und Passagen. Man kann von oben oder von unten kommen oder hindurchlaufen. […] Es ist eine Skulptur, es ist bereits eine harmonische, pandämonische Méta-Maxi-Skulptur, doch sie darf nicht auffallen, und sie muss nützlich sein. Man benützt sie, um auf verschiedenen Wegen ins erste Stockwerk zu gelangen, man benützt sie, um schlicht nach oben zu steigen oder um nichts zu tun, man benützt sie, um etwas nachschauen zu gehen, man benützt sie, um zu leben. Wenn etwas sehr gross ist, will ich, dass man kleine Dinge sieht, zum Beispiel will ich an einem Ort ein Fernrohr aufstellen, durch das man nach unten blickt, auf den winzigen künstlichen Garten dort unten, im Bonsai-Stil, doch mit Wasser drin, vielleicht sogar mit einem Gag von Spoerri. Und wenn man unten steht, möchte ich, dass man durch das Gitterwerk sieht, dass man etwas sieht, das allerdings nicht genau zu erkennen ist, dass man sich für einen Augenblick etwas Erotisches vorstellt, doch was ist es denn nun eigentlich? Ich möchte, dass jeder vergisst, dass er sich in einer Skulptur befindet, doch die Hauptsache ist dabei für mich, dass man Spass daran hat, dass der Besucher die anderen sieht, auf die er im Innern trifft. Das Ganze ist eine Sache der richtigen Wegführung…» Die Verwirklichung der begehbaren, von allen Seiten erlebbaren Skulptur mit Geranien auf höchster Höhe, damit der Besucher sich zu Hause fühlt, verweist uns auf Tinguelys unablässige Suche nach Erlebnisräumen, auf seinen obsessiven Schöpferdrang, ganze Maschinenwelten zu schaffen, die eine herausfordernde, aber friedliche und heitere Koexistenz mit den Menschen eingehen. Der Künstler war enttäuscht, als in Venedig aus Sicherheitsgründen keine Besucher zum Betreten der Riesenmaschine zugelassen wurden. Sinn und Zweck des Werks waren nicht erfüllt. «Schön war sie im Dunkeln dort in der Klus, in der Werkhalle, bös war sie, doch sehr schön», betont er wehmütig, «wir werden das halt anderswo machen, wenn die Maschine allein ist, wenn sie in den Norden zurückgekehrt ist. Ich bin sicher, dass es mir gelingt, sie wieder verrückt werden zu lassen.» (1987)