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Jean Tinguely


Fatamorgana

Méta-Harmonie IV
1985

Material/Technik: Eisenrahmen, Holzräder, Plastikteile, Schlaginstrumente, Glühbirnen, Elektromotoren
Masse (HxBxT): 420 x 1250 x 220 cm
Inventarnummer: 11281
Werkverzeichnis: Bischofberger 0666
Creditline: Museum Tinguely, Basel

Im Januar 1985 entdeckt Tinguely in den stillgelegten Industriehallen des Von Roll Konzerns in Olten ein Lager von ausgedienten farbigen Holzgussmodellen, die bestimmt sind, an einer Luftschutzübung verbrannt zu werden. Der Künstler steht unter grossem Zeitdruck. Der Fund ist ein Glücksfall, endlich kann er sich an ein grosses Räderwerk wagen, ohne ständige Sorge um Dimensionen, Standfestigkeit und Gewicht. Er beginnt fieberhaft während Tagen zu arbeiten. In drei über vier Meter hohe Gestelle auf alten Rädern montiert er die im Vergleich zu Gussrädern relativ leichten Radformen hinein, verteilt zuerst die grossen Stücke, gefolgt von kleineren, von Fundobjekten aller Art und zuletzt von Perkussionsinstrumenten und einer Kuhglocke. Es entsteht eine gewaltige Méta-Harmonie. Tinguely baut intuitiv ohne Vor- oder Werkzeichnungen. Ein grosses blaues Rad befestigt Tinguely auf einem Sockel und stellt das Ganze in das Maschinengestell hinein. Den Räderkomplex legt er in einzelne Teile zerlegbar an, um es für Ausstellungszwecke leicht montier- und demontierbar wie auch transportfähig zu halten. Am 29. August 1985 weiht er seine Fatamorgana mit einem Feuerwerk in den Von Roll-Fabrikhallen ein und lässt sie alsbald nach München an ihre erste Ausstellung transportieren. Er lässt uns wissen: «Die vierte ‹Fatamorgana› (von Seppi benannte) ist farbig-saftig-tonlich stöhnender – visuel gewaltiger – aber sound-mässig softer.» Ihr dumpfes, verhaltenes Tonmaterial, durchsetzt von einzelnen schärferen Schlägen, ist neu, wie auch die allgemein langsameren Bewegungsabläufe.