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Mario Botta: Das Projekt Museum Jean Tinguely Basel

9. Dezember 1997 – 20. April 1998

Buchpräsentation und Ausstellung

Ein Jahr nach der Eröffnung des Museums Jean Tinguely in Basel können wir nun auch die Architektur und den Architekten des Museums in einem Bildband vorstellen. Mario Botta wünschte sich, dass diese Dokumentation erst nach der Fertigstellung und Einweihung des Gebäudes gezeigt wird. So reiht sich das vorliegende Buch und die Ausstellung zu den bereits im Benteli Verlag erschienenen Publikationen über das Werk des Eisenplastikers Jean Tinguely "Die Sammlung" und "Die Eröffnungsausstellung" ein.

Das Buch dokumentiert sowohl das Abenteuer der Planung des Museums anhand umfangreicher Skizzen als auch den heutigen Bau, wie er vom Fotografen Thomas Dix eingefangen wurde. Namhafte Autoren begleiten den Bildband: Mario Botta, Richard Ingersoll, Ulrike Jehle-Schulte Strathaus, Jean-Yves Mock, Sergio Polano, Niki de Saint Phalle, Lutz Windhöfel. Sie setzen sich mit der Architektur und mit dem Werk Jean Tinguelys auseinander und verdeutlichen die wechselseitige, spannungsvolle Beziehung von Architektur und Kunst. Bottas solides, dauerhaftes Bauwerk bietet den fragilen, humorvollen wie auch pandämonischen Maschinen idealen Schutz und einen kongenialen Rahmen zu Präsentation und Erhaltung des Werks. Ein Verzeichnis der bereits von Mario Botta erstellten Bauten gibt uns Einblick in die vielgestaltige Sprache seiner Architektur.

Die Ausstellung dokumentiert die verschiedenen Projekte und die Entstehung des Museums von der Ideenskizze bis zum Modell. Nach dem Tod von Jean Tinguely erhielt Mario Botta 1993 den Auftrag, zum 100jährigen Bestehen der F. Hoffmann-La Roche AG ein Museum am Schönenberg bei Frenkendorf zu planen. Eine Reihe von Skizzen und ein Modell veranschaulichen uns dieses erste, nicht ausgeführte Projekt. Der in den Hang eingebettete Bau ist zylindrisch, die Erschliessung geschieht von einem zentralen Treppenhaus und Servicetrakt aus. Im Rund befinden sich die Ausstellungsräume, vor allem eine grosse dreiviertelrunde Halle, die auch von einer Galerie aus gesehen werden kann. Wie Apsidialkapellen schliessen sich gegen aussen sechs Räume an. Das Projekt steht ganz in der Tradition und im Stil der Baukunst Mario Bottas und erinnert an seine aussergewöhnlichen Kirchenbauten, an Mogno, Evry wie auch an seine Bankgebäude. Der Zufahrtsweg zum Museum durch die ländliche Gegend brachte Befürchtungen über zusätzlichen Verkehr, so dass ein neuer Standort gesucht wurde.

Das Angebot der Stadt Basel, den Solitude-Park zur Verfügung zu stellen, geht auf die Initiative von Fritz Gerber zurück und forderte Botta 1994 zu einem neuen, ganz anderen Museumsentwurf heraus, der im heutigen Bau seine Verwirklichung fand. Am Rand des am Rheinufer gelegenen Parks steht das Gebäude an der verkehrsreichen Nord-Südachse der Autobahn wie eine Festung und öffnet sich zum Park hin. Die Entwurfskizzen zeigen den Grundriss eines rechteckigen Bauwerks und verweisen uns besonders aufschlussreich auf Bottas Suche nach dem Ausblick zum Rhein. Die dafür gebaute "Barca" verleiht heute dem Gebäude das Gepräge, wie auch die für Bottas Handschrift typischen Rundbauten, die Treppenhäuser und die grosszügig angelegte hohe Fensterfront. Für die Ausstellung hat Mario Botta auf einer schwarz angestrichenen Wand noch einmal in einer spontanen Nach-Interpretation sein Projekt zeichnerisch festgehalten. Das Museum Jean Tinguely ist fertiggestellt, Mario Bottas schöpferischer Prozess geht weiter.