Third-party cookies are used on this website for research, advertising  and statistical purposes. Please have a look at our Cookie and Privacy Policy.

 

Rotozaza I und II

1. September 1999 – 30. April 2000

Jean Tinguely: ROTOZAZA No. 2

Zur Geschichte der Skulptur
ROTOZAZA No. 2 entstand 1967 für den Zweiten Weltkongress über Kommunikation in einer sich verändernden Welt (Second World Congress on Communication in a Changing World), der im Loeb Student Center der New York University stattfand. Am 19. Oktober 1967 präsentierte Jean Tinguely dort den etwa dreihundert Teilnehmern seine Maschine, die Bierflaschen zertrümmerte.

Ihre Vorgängerin, die Ballspielmaschine ROTOZAZA No. 1, wurde erstmals 1967 in der Galerie Alexandre Iolas in Paris gezeigt. Die ersten Zeichnungen für die Maschine gehen aber bis ins Jahre 1965 zurück.

ROTOZAZA No. 3 wurde im Oktober 1969 im Schaufenster des Warenhauses Loeb in Bern gezeigt. Dort zerschlug sie in stetem Fluss Teller anstelle der Bierflaschen der No. 2. Diese Maschine ist zerstört.

Den ROTOZAZA-Maschinen zugrunde liegt die Idee, den Gegensatz zwischen nützlichen, produktiven Industriemaschinen und den Maschinen Tinguelys, deren Produktion sich ausschliesslich auf den Kunst-Sinn beschränkte, zu zeigen. Es sind Maschinen-Skulpturen, die sich mit der Überproduktion der Industriegesellschaft und ihrem unausweichlichen Auswurf an sinnvollen und sinnlosen Produkten, die durch ihre Anfälligkeit des Konsumenten erhöhte Aufmerksamkeit verlangen, auseinandersetzen.
Gleichzeitig regen sie den Spieltrieb des Menschen an, wollen den Besucher und Betrachter also in den paradisischen Zustand des Spielens und also der Partizipation hinführen.

Die Aktion
Eingeleitet wurde die Aktion von einer Sängerin und einem Saxoph¬o¬nisten. Er spielte Free-Jazz, während sie einen Text sang. Er lautete:

Too many tellyphones
Too many cars
Too many cigars
Too many guns
Too much of everything …

Anschliessend begleitete Tinguely einen älteren Chinesen mit einem langen Bart auf die Bühne, wo sich die Maschine befand. Die Maschine wurde in Gang gesetzt und zerschlug Bierflaschen, deren Reste der Chinese mit Schaufel und Besen wegputzte.

Zum Abschluss bestieg Tinguely die Bühne und sagte:
Thank you for having the patience to let me tell my story.
Danke dass Sie die Geduld hatten, mich meine Geschichte erzählen zu lassen.

Die zweite, und bisher letzte Vorstellung gab die Maschine am 11. Dezember 1967 wiederum im Loeb Student Center der New York University, diesmal als Teil eines Programms, das unter dem Thema Confrontation stand und den Titel Man, Woman, Machine trug.

Die beteiligten Künstler waren neben Jean Tinguely der Jazzmusiker Barney Willen und der Filmer François de Menil.

Das Programm umfasste drei Punkte:
1. HON, ein Film von François de Menil über die 1966 für die Dauer einer Ausstellung entstandene Riesenplastik von Jean Tinguely, Niki de Saint Phalle und Per Olov Ultvedt im Moderna Museet in Stockholm.
2. The Tragic Destiny of Lorenzo Bandini, Jazz-Improvisationen zu einem Film über den Tod des Autorennfahrers Lorenzo Bandini
3. ROTOZAZA II. Eine ausgebaute Version der Vorstellung vom 19. Oktober. Hinzu kamen ein Posaunist und weitere Installationen. So wurden am Ende des Happenings aus einem aufgespannten Tuch Büchsen und kleine Bälle auf die Bühne und in einen Trichter geworfen und Papierschnitzel ins Publikum geblasen.

Die Rekonstruktion
ROTOZAZA II wird hier im Museum Jean Tinguely erstmals seit diesen zwei Happenings in New York gezeigt und betrieben. Dabei handelt es sich um die originale Maschinen-Skulptur. Es wurde darauf verzichtet, verlorene Teile des Happenings wie das Tuch mit den Büchsen und Bällen und die Papierschnitzel-Blas-Maschine zu rekonstruieren. An der Maschine selbst wurde das Laufbrett für die Flaschen rekonstruiert. Die Rekonstruktion der Maschine erfolgte mit Hilfe von Rico Weber, dem damaligen Assistenten von Jean Tinguely.

ROTOZAZA II in Aktion:
Täglich um 14.00 sowie ab 5. September jeweils Mittwoch um 15.30 Uhr und Sonntag um 12.00 Uhr.