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Die restauratorische Betreuung der Werke im Museum Tinguely.
Haltung und Philosophie des Hauses

Das Team der Konservierung und Restaurierung ist im Museum Tinguely für die Erhaltung und Pflege der Sammlung zuständig. Das Restauratorenteam wird regelmässig von Praktikanten unterstützt.

Die Konservierungs- und Restaurierungsstrategie kann je nach Ziel stark variieren. Die Werke sollen vor Zerfall bewahrt und für die Zukunft erhalten werden. Essentiell ist im Falle von Tinguelys Maschinenskulpturen eine regelmässige Kontrolle und Wartung ihres Zustandes. Wichtig ist das frühzeitige Erkennen von Schäden durch Eigenbewegung und die Beobachtung von bekannten Schwachstellen, um grössere Schäden zu verhindern. Veränderungen in der Bewegung oder dem Klang / Ton sind erste Hinweise auf absehbare Schäden.

Präventive Massnahmen haben vor eingreifenden immer Vorrang. Sie müssen kontinuierlich angepasst werden und stellen einen der wichtigsten Punkte in der Erhaltung der Werke dar. Durch präventive Massnahmen sollen Schäden möglichst gering gehalten werden. Voraussetzung ist ein stabiles Klima (Luftfeuchte und Temperatur). Eine grundlegende Massnahme ist die Begrenzung der Betriebszeiten. Die Werke sind grob in verschiedene Gruppen mit unterschiedlich langen Betriebszeiten unterteilt. Hier sind zwei grundlegende Punkte wichtig, erstens die Fragilität der Materialien oder der Mechanik, zweitens die Vermittlung für den Besucher. Die Laufzeit muss also lang genug sein, um die Bewegung und damit das Werk zu verstehen, und andererseits kurz genug, um der Mechanik oder der Fragilität des Werkes nicht zu viel abzuverlangen.

Natürliche Alterungsprozesse können durch die präventive Konservierung nicht vollständig aufgehalten werden. Die natürlichen Alterungsprozesse sind sehr vielfältig. Kunststoffelemente werden spröde, Gummibänder verlieren an Elastizität und können somit die richtige Spannung nicht mehr gewährleisten. Hölzerne Teilelemente verändern sich, indem sich Spannungsrisse bilden und abgenutzt werden. Die vielen korrodierten Metalloberflächen sind und bleiben vorhanden, viele dieser Oberflächen waren schon in diesem Zustand, als Jean Tinguely die Teile auf dem Schrottplatz gefunden hat. Sie werden möglichst so erhalten und tragen wesentlich zum Charakter der Werke bei. Bei schmutzigen und staubigen Oberflächen wird immer nur das Minimum entfernt.

Der Widerspruch, der sich durch die Inbetriebnahme bei gleichzeitiger Bewahrung der Werke ergibt, ist offensichtlich. Dennoch wird die künstlerische Intention sehr hoch gewichtet und dadurch die Vermittlung seiner Werke möglichst fassbar dargestellt. Nicht alle Parameter waren für Jean Tinguely gleich wichtig. So brachte er beispielsweise Verschleisshülsen an, welche regelmässig ausgetauscht werden konnten und so den Originalbestand des Werks schützten. Elektrische Elemente wie Kabel, Stecker oder sogar Motoren waren ihm weniger wichtig, diese tauschte er regelmässig aus.

Möglichst viele Originalteile werden am Werk belassen. Es wird zwischen ersetzbaren (austauschbaren) und reparierbaren Teilen unterschieden. Verschleissteile wie Keilriemen, Glühbirnen, Lager oder angebrachte Verschleisselemente können ersetzt werden, ohne den Charakter des originalen Werkes zu verändern. Bei Ersatzteilen muss man sich heute im Klaren sein, dass diese immer schwieriger zu beschaffen sind, weswegen auch vorausschauend Ersatzteile gesucht und angekauft werden. Ein für jedes Werk spezifisches Ersatzteillager von Kleinteilen wie Schrauben bis hin zu Holzrädern, Spielzeugen oder extrem raren Einzelteilen wird kontinuierlich angesammelt. Konstruktionsteile oder Motoren werden restauriert oder repariert und zumindest äusserlich im Originalzustand belassen.

Die festgelegten Richtlinien erlauben uns eine systematische Erhaltungsstrategie für die Konservierung und Restaurierung der Maschinenskulpturen. Nach der Erfassung, materialtechnischen Untersuchung und Definition der Ziele werden ein Konservierungs- oder Restaurierungskonzept sowie zusätzliche Alternativen ausgearbeitet. Voraussetzungen dafür sind das Verständnis der Funktion, der Materialvielfalt und der künstlerischen Intention.

Die geplanten und ausgeführten Massnahmen werden dokumentiert und bleiben soweit möglich minimal.

Viele der möglichen Probleme und (vorhergesehenen und unvorhergesehenen) Schäden an Jean Tinguelys Werken sind uns aus unserem alltäglichen Umgang mit den Werken bekannt und können mit dem Wissen und der Erfahrung im Museum Tinguely gelöst werden.