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Mattomatt –
Schachobjekte von Jürg Hassler

22. Oktober 2008 – 18. Januar 2009

Über die Entstehung des Schachspiels bestehen unterschiedliche Auffassungen. Als Ursprungsländer werden vor allem Indien, Persien und China genannt, und der Zeitraum der vermuteten Entstehung schwankt zwischen dem 3. und 6. Jahrhundert.
So enthält das komplexe Spiel Elemente aus verschiedenen Kulturen, Sprachen und Zeiten.
Im 15. Jahrhundert veränderten sich die Spielregeln einschneidend, so dass seither vom modernen Schach, wie es heute gespielt wird, gesprochen werden kann.

Jürg Hassler entwickelt neue Schachspiele mit der Betonung auf das Spiel und die Spielfreude, ohne Zwang, etwas beweisen zu müssen, ohne Zwang, gewinnen zu müssen, sondern um immer neue Formen der Kontrastdialektik zu erfinden, mit einem eindeutigen Vorrang der Form über die Farbe. Das Element der Bewegung – definitorisch für seine Tätigkeit im Bereich des Films – ist in seine Werke integriert in der Form von Schachregeln, die plastische Veränderungen bewirken.

Trotz einiger Neuerungen sind die Grundbegebenheiten des Schachspiels die gleichen geblieben wie vor Jahrhunderten: ein Koordinatennetz für die strategische Bewegung von Figuren: Fusssoldaten, Kampfelefanten, Meldeläufer, Kavallerie – ein Spiel mit endlosen Möglichkeiten.
In realen Schlachtsituationen standen die Feldherren in relativer Sicherheit hinter dem Gemetzel. So beginnt Hassler, aus dem Brett ein Terrain mit einem oder zwei Hügeln oder einem Fluss zu formen. Bald ersetzt er die starren Farbunterscheidungen auf dem Brett zugunsten anderer formaler Unterschiede, so dass das Koordinatennetz am Ende auf dem Brett ganz verschwindet. Die Figuren oder Spieler müssen sich anders orientieren. Dieser Schritt hat zu Folge, dass die zum Teil verloren auf ihrem Feld stehenden Schachfiguren jetzt selbst Teil des Orientierungssystems werden, indem sie selbst die Form eines einzelnen Feldes oder Teil eines Feldes annehmen.

Die Lust nach Verwirrung wird immer grösser, und trotzdem muss jedes Werk spielbar sein. Zeit spielt keine Rolle. In neueren Werken sind die Spieler immer mehr aufgefordert, gemeinsam das Terrain zu gestalten und während des Spiels die Figuren auf ihren Feldern so hinzustellen, dass es eine „schöne“ Anordnung wird, d.h. der Spielverstand und die Schachregeln schaffen einen chaotischen Zufall in der formalen Konstellation, die von den Spielern nach ästhetischen Prinzipien in einem relativ engen Spielraum korrigiert werden kann.
Interessant bleibt das stets neue Wechselspiel zwischen scheinbarem Chaos und Ordnung, zwischen Form und Unform, wo ein immer wieder anderer, leicht „verrückter“ Blick genügt, um neu zu sehen.
Dieses mehrdimensionale Überschreiten der Vorstellungskraft, um aus veränderbaren Schachobjekten eine Landschaft oder eine architektonische Komposition zu bilden, verlangt Beweglichkeit und Frische des Denkens. Und es erzeugt Freude am Spiel, was das eigentliche Ziel Jürg Hasslers ist: Das eingesperrte Spiel aus seinen starren Konventionen zu befreien.