Architektur

 

Der Architekt Mario Botta hat mit seinem am Rhein gelegenen Museum einen ungewöhnlichen Spiel-Raum für Tinguelys Werke geschaffen. Allein in der gewaltigen zentralen Halle finden bis zu zwanzig Maschinenskulpturen Platz. Nach dem Museumsbesuch laden der historische Solitude-Park mit seinem alten Baumbestand, die Rheinpromenade und das Bistro «Chez Jeannot» zum Entspannen, Flanieren und Geniessen ein.

«Mit seiner Lage auf der rechten Seite des Flusses, wo der Rhein einen grossen städtischen Bereich abgrenzt, sorgt das Museum für die Neuordnung einer ziemlich fragwürdigen urbanen Gestaltung am Rande der Autobahn. Das rechteckige Museum belegt die gesamte Ostflanke des Solitude-Parks. Die vier Fassaden des Gebäudes stellen eine jeweils andersgeartete räumliche Beziehung zur Umgebung her.»
Mario Botta

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Aussenansicht der Architektur

 

Die zum Fluss weisende Südseite des Gebäudes stellt eine architektonische Besonderheit dar: ein langgestreckter, erhöhter Bau, der vom Hauptkörper losgelöst ist. Es handelt sich um eine Art «Promenade» über dem Rheinufer, die der Museumsbesucher passieren muss, ein Verteilerweg, auf dem der Blick des Besuchers auf den Flusslauf gelenkt wird.
Die hoch aufragende Fassade an der Autobahnseite im Osten – mit drei Ausstellungsetagen über der Erde der höchste Punkt des Gebäudes – schafft eine Lärmschutzbarriere zur Grünfläche hin.
Die Nordfront verläuft parallel zur Grenzacherstrasse. Hier hat man zwischen der Strasse und dem Museum einen überdachten Raum als Zugang zum Park und zum Museum geschaffen.
Auf der gegenüberliegenden, zum Park hin gerichteten Seite besteht das Museum aus fünf zusammenhängenden Baukörpern, von denen sich drei über einen grossen Eingangsportikus ins Grüne hin öffnen.
 


Innenräume der Architektur

 

Im Innern lässt sich der Museumsraum durch Wände teilen, die hochgezogen und von der Tragkonstruktion aufgenommen werden können. Das statische Tragsystem in diesem Bereich ist auf eine bereits früher angelegte, unterirdische Beckenkonstruktion (über fünf Stockwerke) abgestimmt, die der Aufnahme von Rheinwasser dient.
Die Ausstellungsflächen setzen sich aus vier unterschiedlich gestalteten Bereichen auf vier verschiedenen Ebenen zusammen.
Auf die erste Besucherebene (2,90 m über dem Erdgeschoss) kommt man über die «Rheinpromenade»; sie stellt einen galerieartigen Gang dar, der auf der einen Seite zum Erdgeschoss hin offen ist und auf der anderen Seite Ausstellungsräume aufweist. Vom Ende dieses Gangs aus gelangt der Besucher auf eine weitere Ebene (auf einer Höhe von 7,85 m) mit einer Reihe von «klassischen» Räumen, in die über seitliche Oberlichter Tageslicht einfällt. Von hier aus geht es dann hinunter auf eine Ebene drei Meter unterhalb des Erdgeschosses, in deren Räumen diejenigen Werke untergebracht sind, die kein Tageslicht benötigen.
Der Besucherrundgang endet im Erdgeschoss bei den grossen «Monumentalskulpturen». Sie stehen im grössten Ausstellungsraum des Museums (30 x 60 m), der, wie bereits erwähnt, in fünf Bereiche unterteilt werden kann, die auf den Park ausgerichtet sind.

 


Mario Botta (*1943)

 

Mario Bottas Tätigkeit als Architekt reicht von Europa bis in die Vereinigten Staaten und in den Fernen Osten. Bereits seine frühen Bauten wie die Bibliothek des Kapuzinerklosters in Lugano (1976–1979) oder das Verwaltungsgebäude der Banque cantonale de Fribourg (1977-1981) lösen ein breites Echo aus.
Bottas Bauten nehmen Bezug auf topographische Bedingungen und regionale Gegebenheiten und Baustoffe. Seine Entwürfe sind getragen von Respekt für die Handwerkskunst und unterliegen oft einem geometrischen Grundprinzip.
Mit den auf klassischen Grundrissen beruhenden Gebäuden der 80erJahre wie dem runden Zentralbau der Kathedrale von Evry, Frankreich (1988–1995) oder dem von einem zentralen runden Treppenhaus dominierten Kubus des Museum of Modern Art in San Francisco, USA (1988–1995) erringt der Tessiner Architekt internationale Anerkennung.
Seit 1970 übt Mario Botta auch eine intensive weltweite Lehr- und Forschungstätigkeit aus und hält Vorträge, Seminare und Architekturkurse an zahlreichen Architekturschulen. In Zusammenhang mit der Gründung der Universität der Italienischen Schweiz erarbeitet er das Programm für die neue Architektur-Akademie in Mendrisio, Kanton Tessin, und unterrichtet dort seit der Eröffnung 1996 als Professor.
>> www.botta.ch