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Béatrice Helg – Accrochage

17. Mai – 6. August 2006

Vom 17. Mai bis zum 6. August zeigt das Museum Tinguely eine Werkauswahl der Genfer Fotografin Béatrice Helg. Die grossformatigen Fotografien werden im Museum Tinguely mit den Maschinen-Skulpturen von Jean Tinguely präsentiert. Zu entdecken sind Werke, die wiederum den Blick auf vermeintlich Vertrautes schärfen und verändern.

Béatrice Helg fotografiert Räume, die sie im Atelier konstruiert und mit Licht in Szene setzt. Im Zentrum ihrer Arbeit steht eine Konzentration auf das Material, die fast puristisch zunächst alle Regung und Bewegung ausschliesst. Es sind Bild-Räume, die unbelebt und still, in sich ruhend und aus sich selbst sprechend nichts weiter fordern als die volle Konzentration des Betrachters. Was zunächst fast banal scheint – Metallplatte steht, schwebt, liegt – wird zur Landschaft ohne Ende, wird zur Welt. Das Eisen lebt, es wird zum organischen, veränderbaren Material, dem Geschichten eingeschrieben sind, und das vom Aufeinandertreffen der Elemente erzählt, und von permanenter Veränderung. Der Zufall scheint die Oberflächen zu bestimmen, doch nie ist von Beliebigkeit oder Gleichmut die Rede. Immer hat die Fotografin das Heft in der Hand und gestaltet mit Gestaltetem. Sie schafft Räume mit Eisen und Licht, und hält das scheinbar so stabile mit der Kamera fest, um nachher die Installationen wieder zu verändern. Das Räumliche wird in die Foto-Fläche überführt und entfaltet sich dort in neuer Kraft.

Eisen ist ein faszinierendes Material. Was zunächst grau scheint, kann in Farben leuchten, blau, silber, es kann im Schwarz versinken und Weiss das Licht vollständig reflektieren, und es kann rosten. Dann erreicht Eisen seine Vollkommenheit, wird rot, grün, orange, braun, gelb, ist ein Regenbogen und Farbkreis, wird taktil, weich, porös, fein strukturiert, zeigt Unterschiede und Charakter. Feine vertikale und horizontale Linien zeugen vom Walzen, von der Geschichte des Materials und von seiner weiteren Zukunft. Béatrice Helg zeigt dieses geheimnisvolle Material, und schafft Gedankenräume, die das Abschweifen und Nachdenken über weiteres fast provozieren. Träumen in Eisen.

Jean Tinguely war Eisenplastiker, und seit 1960 zeigte er sein Material auch so, wie er es auf dem Schrottplatz fand. Rostige Stangen, Platten, Räder, geschweisst und zu neuem Leben erweckt. Insofern verbindet sich seine Kunst eng mit derjenigen von Béatrice Helg, und gleichzeitig vermögen ihre Fotografien den Blick auf die Eisenplastiken des Kollegen zu schärfen, was zunächst als überflüssig scheint, führt bei weiterer Beschäftigung zu neuer Erkenntnis und überraschendem Blickwandel, es tritt in den Maschinen-Skulpturen Tinguelys das Material ins Zentrum, es ist nicht mehr nur Baustoff, sondern wird dank der Fotografien von Béatrice Helg zum ästhetischen Erlebnis.

Die Monographie « Béatrice Helg – Im Licht der Schatten », Editions Braus, Heidelberg, und « Béatrice Helg – À la lumière de l’ombre », Actes Sud, Arles, mit Beiträgen von Guido Magnaguagno und Alain Sayag ist im Museumsshop erhältlich.