#1: ALEXANDER CALDER, Mobile, o. J., Aluminium, bemalt, 80 × 90 cm, Fondazione Marguerite Arp, Locarno. #2: JEAN TINGUELY, Sculpture méta-mécanique automobile, 1954, Centre Pompidou, Paris, MNAM. Collection Centre Pompidou, Dist. RMN/Droits résérvés. #3: MAN RAY, Emak Bakia, FR 1926, Filmstill, © Man Ray – Cinédoc 2010. #4: LÁSCLÓ MOHOLY-NAGY, Ein Lichtspiel schwarz-weiss-grau, GER 1930/32, Filmstill, © 2010 The Moholy-Nagy Foundation, Inc.

Le Mouvement. Vom Kino zur Kinetik

10. Februar – 16. Mai 2010

Vom 6. bis 30. April 1955 fand in der Galerie Denise René in Paris die legendäre Ausstellung «Le Mouvement» statt, deren Rekonstruktion nun im Museum Tinguely zu sehen ist. Das die Ausstellung begleitende Faltblatt Le Manifeste jaune postulierte «Farbe - Licht - Bewegung - Zeit» als Grundlagen zur Weiterentwicklung der kinetischen Plastik. Bewegung als Ausdrucksmittel verband denn auch alle gezeigten Werke.

Dennoch unterschieden sich die Reliefs und Skulpturen in «Le Mouvement» deutlich in ihrem Umgang mit Bewegung: Objekte, welche sich erst durch die Bewegung des Betrachters im Raum entfalten, waren von Yaacov Agam, Jesús Rafael Soto und Victor Vasarely zu sehen. Wiederum Yaacov Agam, dann Pol Bury, Robert Jacobsen und Richard Mortensen zeigten Werke, die durch aktiven Eingriff des Betrachters veränderbar sind. Von Jean Tinguely waren Werke ausgestellt, die sich motorgetrieben selbsttätig bewegen. Schliesslich wurde anlässlich der Ausstellung auch ein Daumenkino von Robert Breer ediert.

Neben diesen jungen künstlerischen Positionen - für einige markierte die Ausstellung den Beginn ihrer internationalen Karriere - waren mit Marcel Duchamps Rotary Demisphere von 1925 und mit Mobiles von Alexander Calder Werke vertreten, welche einen Rückbezug zu kinetischen Experimenten der frühen Avantgarde lieferten.

Das anlässlich der Ausstellung der Galerie Denise René verteilte Manifest legte, neben der Betonung von Bewegung als Erweiterung der künstlerischen Sprache in den klassischen Disziplinen, auch ein besonderes Augenmerk auf das Kino: «Cinéma» – die Kinematografie, wörtlich als «Auf-Zeichnung von Bewegung» zu übersetzen, war ein Feld künstlerischer Betätigung, von dem man sich in den 1950er Jahren (wieder) neue Impulse und Möglichkeiten versprach. Zwar enthielt die Ausstellung selbst keine Filmpräsentationen, doch im Rahmenprogramm fand eine Filmvorführung statt, welche ausgehend von Klassikern des abstrakten Experimentalfilms der 1920er Jahre aus Deutschland und Frankreich, wie von Viking Eggeling und Henri Chomette, auch Filme von Oskar Fischinger, Len Lye und Norman McLaren sowie zeitgenössische Produktionen von Breer, Jacobsen und Mortensen zeigte.

Das Filmprogramm von 1955 bildet die Brücke zum zweiten Teil der Ausstellung im Museum Tinguely, in dem nach den Quellen der kinetischen Kunst gefragt wird. Dabei wird nicht, wie in den meisten Abhandlungen zur kinetischen Kunst, zuerst die Entwicklung im skulpturalen Bereich zurückverfolgt, sondern im Medium des Films.

Der abstrakte Experimentalfilm – auch als «gegenstandslose Augenmusik» bezeichnet - wurde Mitte der 1920er-Jahre als neue Gattung mit grossem Zukunftspotenzial angesehen. Die Filmvorführung 1925 im UFA-Theater in Berlin zum «Absoluten Film» gilt als eigentlicher Höhepunkt dieser Entwicklung. Schon dort wurde, neben Werken von Chomette, Fernand Léger, Dudley Murphy, Hans Richter und Walther Ruttmann, Eggelings wegweisende Symphonie diagonale gezeigt.

Neben diesen Positionen werden Filme von Marcel Duchamp, László Moholy-Nagy und Man Ray mit Vorarbeiten und verwandten Werken aus anderen Disziplinen zusammengeführt. Diese konzentrierte Präsentation von Filmen der 1920er bis 1950er Jahre unterstreicht den kinematografischen Aspekt der «Bewegungszeichnung»: Sie wurde mittels zeichnerischer Reihung, fotografischer Belichtung (und Beschattung im Falle der Fotogramme), zeitgebundener skulpturaler Dynamik in Licht und Raum und musikalischer/optischer Konnotation von optischen/musikalischen Ereignissen entwickelt und wirkte umgekehrt als Inspiration für das kinetische Schaffen der 1950er Jahre, das sich oftmals explizit auf Vorbilder aus den 1920er Jahren bezog.

Le Mouvement. Vom Kino zur Kinetik. Hrsg. Museum Tinguely. Mit Beiträgen von Roger Bordier, Robert Breer, Thomas Tode, Roland Wetzel (Broschur Dt/Eng. Ausgabe; 24 x 28 cm; 160 Seiten; ca. 50 Farbabbildungen und 40 S/W-Abbildungen. ISBN 978-3-86828-122-4. Euro 18.– / CHF 32.–)

Virtuelle Tour

Foto Stefan Holenstein, Basel

Foto Stefan Holenstein, Basel

Foto Stefan Holenstein, Basel

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Foto Stefan Holenstein, Basel

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