Party for Öyvind

Jean-Philippe Charbonnier, Öyvind Fahlström in der Ausstellung Pentacle im Musée des Arts Décoratifs, Paris, 1968 © Jean-Philippe Charbonnier/Gamma-Legends via Getty Images

Party for Öyvind. Öyvind Fahlström & Friends
16. Februar – 1. Mai 2022

Die grosse Gruppenausstellung thematisiert das Werk eines der innovativsten und initiativsten Künstler des 20. Jahrhunderts: Öyvind Fahlström (1928–1976) hat in seiner kurzen Schaffenszeit ein in jeder Hinsicht Grenzen sprengendes Œuvre geschaffen. Diese einzigartige Ausstellung umfasst bildende Kunst, Poesie, Theater, Literatur, Musik, Tanz und Film und spiegelt die grosse Vielfalt des Ausdrucks innerhalb des internationalen Netzwerks von Künstler*innen wider, die den schwedischen Künstler inspirierten und die von ihm inspiriert wurden.

Claes Oldenburg, Einladungskarte Party for Öyvind, 1967, Privatsammlung.

Der Ausstellungstitel zitiert die Einladungskarte, die Patty und Claes Oldenburg zu einer Feier anlässlich des Geburtstags von Öyvind Fahlström und seiner ersten Einzelausstellung in der legendären Sidney Janis Gallery in New York 1967 verschickten. Die Party war eine Riesensache mit mehreren Hundert Gästen, von denen viele auch in der Ausstellung vertreten sind.

Öyvind Fahlström wurde 1928 als Sohn skandinavischer Eltern in São Paulo, Brasilien, geboren. Im Juli 1939, im Alter von zehn Jahren, reiste er nach Stockholm, um während sechs Monaten seine Verwandten zu besuchen. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verhinderte eine Rückreise, sodass Fahlström den Rest seiner Kindheit und Jugend in Stockholm bei einer Tante verbrachte. Nach dem Krieg studierte er in der schwedischen Hauptstadt sowie in Rom Kunstgeschichte und Archäologie. Ab 1952 lebte er in Rom, tauchte alsbald in die Kunstszene ein, schuf erste Werke und freundete sich mit Künstlern wie dem Maler Giuseppe Capogrossi an, dessen Umgang mit Zeichen und Symbolen für den viel jüngeren Schweden eine wichtige Inspiration war. Fahlström berichtete als Korrespondent schwedischer Zeitungen im Feuilleton über Rom – so unter anderem über Robert Matta oder Cy Twombly.

Installationsansicht der Ausstellung Party for Öyvind mit u.a. Per Olof Ultvedt, Mannen i stolen, 1966 (Skulptur links) & Niki de Saint Phalle, Jean Tinguely, Per Olof Ultvedt, A Piece of HON, 1966 (Mitte) und HON, 1967 (Plakat rechts) © 2022 Museum Tinguely, Basel; Foto: Daniel Spehr

Installationsansicht der Ausstellung Party for Öyvind mit u.a. Per Olof Ultvedt, Mannen i stolen, 1966 (Skulptur links) & Niki de Saint Phalle, Jean Tinguely, Per Olof Ultvedt, A Piece of HON, 1966 (Mitte) und HON, 1967 (Plakat rechts) © 2022 Museum Tinguely, Basel; Foto: Daniel Spehr

Installationsansicht der Ausstellung Party for Öyvind mit u.a. Lena Svedberg, Painting 7, ca. 1970 (Mitte) & Faith Ringgold, Peoples Flag Show at Judson Church, 1971 (rechts) © 2022 Museum Tinguely, Basel; Foto: Daniel Spehr

Installationsansicht der Ausstellung Party for Öyvind mit u.a. Lena Svedberg, Painting 7, ca. 1970 (Mitte) & Faith Ringgold, Peoples Flag Show at Judson Church, 1971 (rechts) © 2022 Museum Tinguely, Basel; Foto: Daniel Spehr

Installationsansicht der Ausstellung Party for Öyvind mit Wiveka Wachtmeister, The Druds, 2020, mixed media, ca. 70 × 100 × 50 cm © 2022 Museum Tinguely, Basel; Foto: Daniel Spehr

Installationsansicht der Ausstellung Party for Öyvind mit Wiveka Wachtmeister, The Druds, 2020, mixed media, ca. 70 × 100 × 50 cm © 2022 Museum Tinguely, Basel; Foto: Daniel Spehr

Installationsansicht der Ausstellung Party for Öyvind mit u.a. Öyvind Fahlström, ESSO-LSD, 1967 (oben) & James Rosenquist, Paper Suit, 1966 (vorne rechts) © 2022 Museum Tinguely, Basel; Foto: Daniel Spehr

Installationsansicht der Ausstellung Party for Öyvind mit u.a. Öyvind Fahlström, ESSO-LSD, 1967 (oben) & James Rosenquist, Paper Suit, 1966 (vorne rechts) © 2022 Museum Tinguely, Basel; Foto: Daniel Spehr

Installationsansicht der Ausstellung Party for Öyvind mit u.a. Jean-Jacques Lebel, Mr. America Bomb, 1961 (vorne) & Claes Oldenburg, Pat Lying as Olympia, 1959 (rechts oben) © 2022 Museum Tinguely, Basel; Foto: Daniel Spehr

Installationsansicht der Ausstellung Party for Öyvind mit u.a. Jean-Jacques Lebel, Mr. America Bomb, 1961 (vorne) & Claes Oldenburg, Pat Lying as Olympia, 1959 (rechts oben) © 2022 Museum Tinguely, Basel; Foto: Daniel Spehr

Installationsansicht der Ausstellung Party for Öyvind mit u.a. James Rosenquist, Paper Suit, 1966 (links) & Jean-Jacques Lebel, Mr. America Bomb, 1961 (vorne rechts) © 2022 Museum Tinguely, Basel; Foto: Daniel Spehr

Installationsansicht der Ausstellung Party for Öyvind mit u.a. James Rosenquist, Paper Suit, 1966 (links) & Jean-Jacques Lebel, Mr. America Bomb, 1961 (vorne rechts) © 2022 Museum Tinguely, Basel; Foto: Daniel Spehr

Installationsansicht der Ausstellung Party for Öyvind mit The New York Collection for Stockholm, 1973 (31 gerahmte Werke in der Mitte) © 2022 Museum Tinguely, Basel; Foto: Daniel Spehr

Installationsansicht der Ausstellung Party for Öyvind mit The New York Collection for Stockholm, 1973 (31 gerahmte Werke in der Mitte) © 2022 Museum Tinguely, Basel; Foto: Daniel Spehr

Installationsansicht der Ausstellung Party for Öyvind mit u.a. Öyvind Fahlström, The Cold War, 1963-1965 (links) © 2022 Museum Tinguely, Basel; Foto: Daniel Spehr

Installationsansicht der Ausstellung Party for Öyvind mit u.a. Öyvind Fahlström, The Cold War, 1963-1965 (links) © 2022 Museum Tinguely, Basel; Foto: Daniel Spehr

Installationsansicht der Ausstellung Party for Öyvind © 2022 Museum Tinguely, Basel; Foto: Daniel Spehr

Installationsansicht der Ausstellung Party for Öyvind © 2022 Museum Tinguely, Basel; Foto: Daniel Spehr

Installationsansicht der Ausstellung Party for Öyvind mit Öyvind Fahlström, Sixteen Elements from «Chile 1», 1976 © 2022 Museum Tinguely, Basel; Foto: Daniel Spehr

Installationsansicht der Ausstellung Party for Öyvind mit Öyvind Fahlström, Sixteen Elements from «Chile 1», 1976 © 2022 Museum Tinguely, Basel; Foto: Daniel Spehr

Christer Strömholm, Öyvind in Villefranche-sur-Mer, 1967, Christer Strömholm Estate.

Christer Strömholm, Öyvind in Villefranche-sur-Mer, 1967, Christer Strömholm Estate.

Zurück in Stockholm, pflegte Fahlström seine Freundschaften mit Künstler*innen, Kunsthistoriker*innen, Museumsmenschen, Musiker*innen und vielen anderen Kreativen. Mit dem Moderna Museet, das 1959 eröffnet wurde, verband Fahlström von Anfang an eine enge Beziehung, die in viele spartenübergreifende Projekte mündete und ihn später zu einem der Botschafter des Museums in den USA werden liess.

Erste internationale Ausstellungen folgten, so insbesondere 1958 in der Galerie Daniel Cordier in Paris, wo Fahlström enge Bande zu Jean-Jacques Lebel und Alain Jouffroy knüpfte, den Organisatoren von Anti-Procès (1, 1960), einer Manifestation von Künstler*innen gegen die französische Kriegspolitik in Algerien sowie gegen die Apartheid in Südafrika, deren Manifest auch Fahlström unterschrieb.

1961 reiste Fahlström mit seiner Partnerin Barbro Östlihn, die er 1960 geheiratet hatte und mit der er intensiv zusammenarbeitete, zu einem einjährigen Stipendiumaufenthalt in die USA. Billy Klüver, der schwedische Ingenieur in den Diensten der Bell Laboratories und Gründer von E.A.T. (Experiments in Art and Technology, einer Institution, die viele Künstler*innen in der technischen Umsetzung von Werken unterstützte), führte die Ankömmlinge in die New Yorker Kunstszene ein. Erste Freunde waren Patty und Claes Oldenburg. Fahlström konnte Robert Rauschenbergs Atelier übernehmen und wurde so zum Nachbarn von Jasper Johns. Er fand sich im Zentrum der rasanten Entwicklung in den USA, erlebte den Aufstieg von 

Öyvind un Tinguely

Joan Kron, Öyvind Fahlström und Jean Tinguely bei Construction of Boston, 1962, Privatsammlung.

Pop Art und Happening. Barbro und Öyvind blieben auch nach Ablauf des Stipendiumjahres in der Stadt und waren bis zu seinem Tod 1976 Teil der Kunstszene New Yorks.

Auch mit einem Leben in NY rissen die Kontakte nach Schweden nie ab. 1966 repräsentierte Fahlström sein Land an der Biennale in Venedig, und konnte sich wohl auch deshalb nicht an HON beteiligen, der riesigen Frauenskulptur, die Niki de Saint Phalle zusammen mit Jean Tinguely und Per Olof Ultvedt 1966 im Moderna Museet installierte. Fahlström hatte Tinguely 1955 in Stockholm getroffen, als dieser seine erste Ausstellung in Schweden hatte, Öyvind und Niki hatten sich im Mai 1961 in Stockholm bei der Ausstellung Rörelse i Konsten getroffen, und ein Jahr später, als sie sich alle an Kenneth Kochs Inszenierung von The Construction of Boston beteiligten.

Fahlström betätigte sich als Poet, publizierte 1953 das weltweit erste Manifest für konkrete Poesie, war Verfasser von Theaterstücken, beteiligte sich an Performances und Happenings ebenso wie an theatralischen Inszenierungen und schuf ein künstlerisches Werk mit Gemälden, einem umfangreichen druckgrafischen Werk und raumgreifenden Installationen, das sich zwischen 'peinture' und 'comic' bewegte und in dem er politische, soziale und gesellschaftliche Fragen seiner Zeit aufnahm. Party for Öyvind spiegelt eine Zeit wider, die von den Herausforderungen der Nachkriegszeit geprägt war, die aber auch einzigartige Möglichkeiten für eine neuartige Offenheit und Verspieltheit bot, als eine jüngere Generation versuchte, das Alte über Bord zu werfen und ihre eigene Lebensweise zu finden, in deren Mittelpunkt Lebenslust und Hoffnung auf die Zukunft sowie das Recht auf die eigene Identität, Sexualität und Ausdruck in Kunst, Musik, Literatur und Poesie standen.

Die Ausstellung bringt viele der einflussreichsten Künstler der 1950er und 1970er zusammen, darunter Alexander Calder, Andy Warhol, Barbro Östlihn, Carl Johan De Geer, Christer Strömholm, Claes Oldenburg, Cy Twombly, Dennis Hopper, Ernest Cole, Faith Ringgold, Gunilla Palmstierna-Weiss, Jean Tinguely, John Cage, Kiki Kogelnik, Lee Bontecou, Lena Svedberg, Marie-Louise Ekman, Marisol, Merce Cunningham, Mimi Gross, Niki de Saint Phalle, Patty Oldenburg, Peter Weiss, Robert Rauschenberg und Roy Lichtenstein. Und, natürlich, Fahlström selbst. Insgesamt sind es etwa gleich viele Künstlerinnen wie Künstler.

Die Ausstellung wird kuratiert von Barbro Schultz-Lundestam und Gunnar Lundestam, sie wurde nach einer ersten Station im Sven-Harrys Konstmuseum in Stockholm für Basel erweitert und hier von Andres Pardey und Tabea Panizzi betreut. Im Sommer 2022 wird die Ausstellung im Kunstverein in Hamburg zu sehen sein.

Einführung mit dem Kuratorenteam