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Kurt Wyss – Begegnungen

14. Februar – 29. April 2007

Nach seiner Fotografenlehre in Fribourg und Bern und einigen Jahren als freier Fotograf, leitete der Basler Fotograf, Kurt Wyss (*Basel, 1936) seit Mitte der Sechziger Jahren die Bildredaktion der National-Zeitung, anschliessend bis zu seiner Pensionierung war er Redaktor und Fotograf der Basler Zeitung.
Als Zeitungsreporter fotografierte Kurt Wyss Alltägliches, aber auch Aussergewöhnliches. Neben seiner Tätigkeit als Pressefotograf zeigte er grosses Interesse für die Welt der Künstler: u.a. Jean Dubuffet und Jean Tinguely, Josef Beuys oder Mark Tobey, und Schriftsteller wie Urs Widmer oder Friedrich Dürrenmatt.

Kurt Wyss gilt zu Recht als ein Chronist, ein Zeitzeuge, Schilderer von Ereignissen und Lebensumständen, Begebenheiten, Begegnungen, ist ein unersetzlicher Teil der Lokalgeschichte einer kleinen grossen Kultur- und Industriestadt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Trotz engagierten Aufträgen, die ihn nach Biafra, Nicaragua oder zu den Schweizer Bergbauern führten, blieb er Basel in Treue, in Hassliebe auch (?), jedenfalls ausführlich verhaftet, ja zugeneigt.
In Büchern und Sammelbänden erscheinen seine Fotochroniken zu verschiedenen Themenbereichen, so z.B. die Migration in der Schweiz.

Fotografen gelten häufig als vorschnelle, rücksichtslose, grosssprecherische, im besten Fall unbekümmerte Zeitgenossen. Kurt Wyss verkörpert als Person das pure Gegenteil: Bescheidenheit, Understatement bis zur Selbstauflösung, Objektivität zeichnen ihn aus. Hinter dieser vordergründig so gentlemanhaften Erscheinung verbirgt sich aber häufig ein ironischer, witziger, spielerischer Geist. Wenn Kurt Wyss leichtfüssig wird, und das gelingt ihm schnell im intellektuellen Pingpong in gehobener Stilklasse, kommt ein überlegener und zugleich feiner Humor zum Vorschein.

Dann erkennt man auch die vielleicht verborgenen Qualitäten des Fotografen Wyss. Eine eigen- und einzigartige Souplesse, eine Ambivalenz von Wertschätzung und Nonchalance, eine bisweilen bizarre Originalität. Er verfügt nicht nur über ein ausbalanciertes und subtiles Beobachtungssensorium, was wohl für jeden guten Fotografen eine Voraussetzung bildet, nein mehr, seine Aufnahmen verraten einen Kontrollblick, der sich der Unfehlbarkeit nähert. Was aber hat den Chronisten eigentlich zu den Künstlern getrieben, und dazu in diesem Ausmass, mit dieser Verve und Passion? Bedeutete ihm dies sein anderes, von der ‹Zweckdienlichkeit› befreites Paradies, die Erfüllung? Es muss so sein, oder ähnlich. Wie sonst wäre es ihm so spielend gelungen, in die nächste Nähe von Picasso oder Beuys, Tobey, Warhol oder Tinguely zu gelangen, und dabei die selbstverständliche Ausbeute heim an den Nadelberg zu tragen? Dubuffets Lob ist absolut berechtigt: «Ein wunderbarer Fotograf». Wyss als wissender fotografierender Begleiter ist eine Idealbesetzung, unscheinbar auf seinem Beobachtungsposten, uneitel auf Eitelkeiten reagierend, gelassen, manchmal spöttisch, immer auf der Hut und gleichen Höhe. Dass man das Fotografieren auch schon das ‹Einfrieren eines Augenblicks› nannte, wird in seiner Bildsprache trotz aller, auch unverhohlener Sympathie einsichtig. Achtung ja – Empathie nie. So sind auch seine Künstlerporträts gestochen scharf ‹bis ins Mark›, die Distanzen stimmen, auch in übertragenem Sinn. Der Fotoapparat ist sein Instrument, er spielt ihn wie eine Klarinette, er nützt ihn als Florett.

Die Ausstellung im Museum Tinguely präsentiert Schwerpunkte aus dem Schaffen von Kurt Wyss, Künstlerporträts, Schriftsteller, Picasso, Beuys, Tobey. Und sie zeigt mit 54 Fotografien eine Chronik und die Entwicklung des Fotografen über 54 Jahre, und mit ihr auch die Entwicklung der zeitgenössischen (Presse-)Fotografie.

Im Christoph Merian Verlag erscheint begleitend zur Ausstellung der Bildband <Kurt Wyss – Begegnungen> mit Texten von Annemarie Monteil, Georg Kreis, Hans-Peter Platz und Reinhardt Stumm (CHF 38).