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Radiophonic Spaces
Ein akustischer Parcours durch die Radiokunst
24. Oktober 2018 – 27. Januar 2019

Eine Ausstellungskooperation mit der Bauhaus-Universität Weimar, dem Haus der Kulturen der Welt und der Universität Basel

In den fast hundert Jahren seit Radio existiert, haben sich Musiker, Komponisten, Schriftsteller, Philosophen und bildende Künstler (sowie viele, die sich nicht in klassische Kategorien einpassen lassen) mit dem Medium Radio auseinandergesetzt. Sie haben die Produktion von Sendungen befragt, die Art der Aufnahme, der Übertragung und des Empfangs und wie Sendungen gespeichert wurden. Das Rauschen zwischen den Sendern war ebenso ein Thema wie die Stille, wenn nicht gesendet wird. Das Speichermedium (die Schallplatte) und die Produktionsumgebung (das elektronische Studio) standen im Zentrum akustischer Recherchen und machten das Medium präsent und bewusst. Sendeformate und -möglichkeiten wurden von Radiomachern hinter- und von Künstlern befragt. Die Ausstellung Radiophonic Spaces bringt erstmals über 200 Radiostücke aus der ganzen Welt zusammen, mit dem Ziel, diese lange Auseinandersetzung von Künstlern aller Gattungen mit dem Medium zu zeigen und hörbar zu machen. Unvergessliche Sendungen werden wieder erlebbar, die nur noch in versteckten Archiven aufzufinden waren, die die Geschichte eines Mediums aufzeigen, das durch seine Verwurzelung in der  Aktualität auch das Jahrhundert seiner Existenz abbildet. Die grossen Katastrophen der letzten hundert Jahre sind ebenso Thema wie die grossen technischen und gesellschaftlichen Errungenschaften dieser Zeit.

Jean Tinguely, Radio WNYR No. 9, 1962 © 2018, ProLitteris, Zürich

Jean Tinguely, Radio WNYR No. 9, 1962
© 2018, ProLitteris, Zürich

Parcours

Mit Kopfhörern und speziell programmierten Smartphones bewegen sich die Besucher*innen im Museumsraum und aktivieren mit ihren Bewegungen wie «menschliche Sendersuchnadeln» Werke u.a. von Antonin Artaud, John Cage und László Moholy-Nagy bis hin zu Michaela Mélian, Milo Rau und Natascha Sadr Haghighian. In einem in Zusammenarbeit mit dem Künstler, Architekten und Musiker Cevdet Erek gestalteten und von MESO Digital Interiors umgesetzten Raum, wird das Zusammenspiel von Sound und Raum technisch raffiniert und gleichzeitig ästhetisch eindrücklich und intuitiv erforschbar gemacht. Es ist ein Radioerleben, das demjenigen in der Realität des Ultrakurzwellenradios FM gleicht – ein Suchen in den Sendern, bis eine Stimme, ein Musikstück oder eine Tonfolge zum Verweilen einlädt, zum weiteren Anhören oder doch wenigstens zum Speichern der Senderfrequenz, damit man später wieder auf den Sender und damit auf die Stimme zurückkommen kann. Die Vielfalt ist verwirrend, überwältigend bis hin zu überfordernd, sie spiegelt aber das unüberschaubar grosse Angebot, das Radio auszeichnet, und die Möglichkeit zur schnellen Entscheidung zum Hören.

Radioforschende haben die Sendungen in Narrative, kuratierte Zusammenstellungen gefasst, die sich inhaltlich oder akustisch-ästhetisch verbinden. Sie heissen Plattengeschichten, Funkstille, Tor zum Unbewussten oder Expanded Radio, sie fassen Sendungen zusammen, die sich mit elektronischen Studios befassen bzw. aus solchen stammen, oder solche, die in Ecce Homo den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Sie befragen Gesetze der Form im Radio oder das Radio Mobile, das örtlich ungebundene Hören, das Radio spätestens seit der Erfindung des Transistors zum portablen Medium ganzer Generationen gemacht hat.

Dem zunächst intuitiven Erleben der Radiolandschaft im Parcours folgt die Möglichkeit, in der Ausstellung Sendungen vollständig zu hören und dem Gehörten in einer eigens programmierten Mindmap inhaltlich auf den Grund zu gehen. Wiederum ist der spontane Zugriff der erste, aber parallel sind geordnete kognitive Suchen nach Autorinnen und Autoren oder nach Studios möglich. Texte, Töne und Videos zu den Stücken, den Narrativen, aber auch zu den wichtigen Produktionsbedingungen, den Studios, den Orten und natürlich auch den Urheberinnen und Urhebern der Sendungen erlauben es, in gewünschter Tiefe in die faszinierende Geschichte der Sendungen einzutauchen.

Begleitet wird die Ausstellung in Basel von einer Ringvorlesung des Seminars für Medienwissenschaften der Universität Basel, in der theoretische Überlegungen und die tägliche Praxis untersucht und hinterfragt werden.

Radiophonic Spaces ist ein Projekt der Bauhaus-Universität Weimar im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojektes «Radiophonic Cultures – Sonic Environments and Archives in Hybrid Media System», das seit 2015 an der Universität Basel und der Bauhaus-Universität Weimar angesiedelt ist. Radiophonic Spaces wird an drei Stationen gezeigt: Im Winter 2018/19 ist der Radio-Parcours parallel im Museum Tinguely, Basel, und im Haus der Kulturen der Welt in Berlin (1.11. bis 10.12.2018) und im Sommer 2019 in der Universitätsbibliothek Weimar (26.07. bis 19.09.2019) zu sehen. Das Projekt wird unter anderem gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, Schweizerischer Nationalfonds (SNF), Thüringer Staatskanzlei, Bauhaus-Universität Weimar, Gemeinnützige Hertie-Stiftung, Bauhaus 100, Film und Medienstiftung NRW, Goethe-Institut., Hanna und Dieter Paulmann.

Künstlerische Leitung RADIOPHONIC SPACES: Nathalie Singer, Bauhaus-Universität Weimar

Leitung Forschungsgruppe RADIOPHONIC CULTURES: Ute Holl, Universität Basel

Kurator und Projektleitung im Museum Tinguely: Andres Pardey

Weitere Mitarbeitende des Radioparcours finden Sie hier.

Weitere Informationen auch unter:

>> Kulturstiftung des Bundes

>> Bauhaus-Universität Weimar

>> Haus der Kulturen der Welt

In Zusammenarbeit mit ARD, Deutschlandradio, Österreichischer Rundfunk, Schweizer Radio SRF, BBC, Radio France, Deutsches Rundfunkarchiv, Zentrum für Künstlerpublikation Weserburg, Lautarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin, New Radiophonic Workshop, INA/Groupe de Recherches Musicales, Film- und Medien-Stiftung NRW, Goethe-Institut u.v.a.

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